Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Schleswig-Flensburg

11.12.2020Hilfreiche Engel fürs erste Lebensjahr

Evangelische Familienbildungsstätte blickt auf erfolgreiche 16 Jahre des Projekts „Wellcome“ zurück

N. Büschenfeld, wellcome Engel

M. Bley, wellcome Engel

A. Schümann, Leitung fbs

Nele Büschenfeld weiß es jetzt schon: „Das wird schwer beim Abschied!“ Die 31-Jährige ist das „Küken“ im 13-köpfigen Team der Ehrenamtlichen des Projekts „Wellcome“. Sie und zwölf andere Frauen besuchen und entlasten meist einmal pro Woche eine Familie, in der ein Baby aufwächst. Eine der Spielregeln ist, dass nach einem Jahr Schluss ist; dann soll die Familie soweit gefestigt sein, dass sie allein zurecht kommt.
Nele Büschenfeld ist „ihre Familie“ jetzt schon sehr ans Herz gewachsen. In ihrem Beruf hat sie mit kranken Kindern zu tun, sie ist Kinderkrankenschwester. Jemand habe ihr gesagt, „dass ich auch mal etwas Schönes fürs Herz brauche“. Sie müsse lernen, wie es ist, ein gesundes Kind aufwachsen zu sehen. „Ich fühle mich dort wie ein Familienmitglied“, sagte Nele Büschenfeld und ermuntert gerade auch jüngere Frauen, bei „Wellcome“ zumindest eine Zeitlang mitzumachen.
Die meisten hilfreichen Engel sind schon etwas älter, haben meist selbst erwachsene Kinder und profitieren von ihrer Erfahrung. So wie die 63-jährige Margit Bley aus Schleswig. Sie ist seit vier Jahren ständig dabei. „Man wird strahlend empfangen“, hat sie erfahren. „Da kommt so viel zurück, das tut einfach nur gut!“, schwärmt die Mutter dreier Kinder. Anlässlich des Tags des Ehrenamtes möchte die Evangelische Familienbildungsstätte (EBS) an die Bedeutung all der ehrenamtlichen Helferinnen erinnern und gleichzeitig andere ermuntern, es ihnen nachzumachen.
Rund ein Dutzend Familien werden pro Jahr betreut, derzeit stehen dafür 13 Ehrenamtliche zur Verfügung, wie Antje Schümann, Leiterin der EBS, berichtet. „Das passt gerade so.“ Das muss aber nicht so bleiben, es könne auch mal eng werden. Deshalb ist Zuwachs durchaus erwünscht.
Sabine Nielsen geht dahin, wo viel los ist. „2008 hatte ich meine erste Familie, da waren es Drillinge“, erzählt sie strahlend. Danach war sie elf Jahre als Tagesmutter beruflich aktiv, jetzt hat sie ihre zweite Familie: „Diesmal sind es nur Zwillinge.“ Sprechen, einkaufen, Kinder hüten, auf dem Fußboden herumkrabbeln – das seien vier wesentliche Tätigkeiten bei ihren Einsätzen als „Wellcome-Engel“. Doch es komme auch schon mal vor, berichtet ein andere Frau, dass die überlastete junge Mutter sich einfach zwei Stunden aufs Ohr legt, wenn die willkommene Helferin auftaucht.
Im Jahr 2004 war das Schleswiger „Wellcome“-Projekt eines der ersten im Bundesland. In den ersten Jahren wurden die Fixkosten vom Land getragen, danach musste die EBS dieses Geld – mittlerweile sind es 7000 Euro – selbst erwirtschaften. Die Projekt-Koordinatorin Hannelore Nicolaisen-Wohlert nutzt einen Teil ihrer Arbeitskraft zum Einwerben von Spenden. Doch vor allem muss sie herausfinden, welche „Engel“ zu welchen Familien passen und beide zusammenbringen. „Derzeit haben wir gerade genug“, sagt sie, aber es wäre gut, eine kleine Reserve in der Hinterhand zu haben. Falls morgen eine Familie dringend Hilfe benötigt, wäre es gut, jemanden anrufen zu können, die sofort zur Verfügung steht. „Die ehrenamtlichen Helfer können warten, die Familien nicht“, so Hannelore Nicolaisen-Wohlert.
Hebammen und Kinderärzte kennen das Angebot und weisen die jungen Mütter darauf hin. „Wir stehen auch in dem Gutscheinheft, dass die Frauen gleich nach der Entbindung erhalten“, so Antje Schümann.

SN/Joachim Pohl Fotos/M. Staudt

 


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